Abweichungen dämpfen mein Wohlbefinden

von Leonie
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Jeder Tag ähnelt sich. Von Montag bis Freitag gehe ich arbeiten. Am Wochenende bin ich in der Wohnung und mache es mir mit einem Buch oder einer Serie auf dem Sofa gemütlich. An Feier- und Geburtstagen sehe ich die Familie. An Urlaubstagen verreise ich oder mache dasselbe wie sonst am Wochenende.

Es gibt in meinem Leben einen ungefähren Plan, wie alles läuft. Das ist mein Alltag, an den ich mich gewöhnt habe und der mich beruhigt. Wenn alles genau so ist, wie es laut meinem Kopf sein soll, dann ist alles vollkommen in bester Ordnung. Ich kann die Tage genießen und mein Leben führen.

Das Leben ist kein planmäßiger Ablauf

Doch das Leben ist leider nicht so, wie ich es in meinem Kopf plane. Es gibt so vieles, was sich mir in den Weg stellt. Beruflich habe ich das inzwischen sehr gut hinbekommen, dass mich Änderungen am Fahrplan nicht mehr so stark stören. Dafür bin ich viel zu oft auf Dienstreise und muss zu Kunden fahren, Schulungen oder Präsentationen halten, an Messen und Meetings teilnehmen. Daran hat sich mein Kopf gewöhnt. Es ist also ein Plan mit halbwegs bekannten Abweichungen.

Was mein Kopf allerdings nicht kann, sind Abweichungen, die weder bekannt noch geplant sind. Ich muss zu einem Arzt, den ich nicht kenne und von dem ich nicht weiß, wo die Praxis ist und wie ich da hinkomme? Ob die Busse so fahren, wie es mir die App anzeigt? Ob ich den Weg finde, den ich mir vorher genau bei Google Maps angesehen habe?

Ich werde eingeladen und soll Menschen treffen, die ich nicht kenne? Soll mich in eine Gruppe eingliedern, in der sich jeder vielleicht schon längst kennt und ich bin die Neue? Oder es soll jemand Neues in meine Gruppe, an die ich mich gewöhnt habe?

Wohlbefinden

Tränen im Büro

Für mich war es beispielsweise plötzlich die Hölle, als ich erfahren habe, dass ich an meinem Standort beim alten Arbeitgeber einen neuen Kollegen für mein Team bekomme. Wir brauchten wirklich neues Personal. Aber da kam nun also eine Person, die ich nicht kannte und von der ich nicht wusste, wie sie sein wird. Zusätzlich dazu mussten mein Bürokollege und ich unser altes Büro verlassen, um in einen neuen Raum zu ziehen. Denn der neue zusätzliche Kollege hätte sonst keinen Arbeitsplatz gehabt. Am Tag des Büroumzugs stand ich also unter Tränen in dem neuen Büro, schob meinen Stuhl über den Flur und verkabelte die Technik. Es war ein Freitag, ich erinnere mich noch immer genau an diesen Tag. Ein befreundeter Kollege hat meinen ersten Ausfall in Tränen mit mir durchgestanden, mein Teamleiter dann den zweiten. Das war eine Änderung, mit der mein Kopf nicht klar gekommen ist. Es hat einige Wochen gedauert, bis ich in dem neuen Raum angekommen und wieder ruhig war.

Wohlbefinden

Eine Kleinigkeit in den Alltag integrieren

Auch privat habe ich damit zu kämpfen. Ich lese gerne und viel. War als Kind immer in der Stadtbibliothek in meiner Heimat und habe mir neue Bücher ausgeliehen. Inzwischen kann ich mir neue Bücher von meinem eigenen Geld kaufen. Aber ich wollte gerne wieder einen Bibliotheksausweis, um noch mehr Schätze entdecken zu können. Zumal unsere Stadtbibliothek auch Teil der Onleihe ist und ich somit Zugriff auf eBooks hätte. Also nahm ich mir vor, mich in meiner neuen Heimat in der Bibliothek anzumelden. Online konnte ich zwar das Anmeldeformular ausfüllen, aber es benötigte eine persönliche Vorsprache. Letztendlich habe ich das Formular mehrmals ausgefüllt und neu ausgedruckt. Denn ich brauchte drei Monate, bis ich den Mut fand. Letztendlich musste auch mein Partner mitkommen, da ich mich allein einfach nicht getraut habe. Dienstlich war ich schon so oft im Rathaus, aber nie in der Bibliothek. Das waren also zu viele Unbekannte, die ich allein hätte meistern müssen.

Wohlbefinden

Was wie ein Berg scheint, ist vielleicht nur ein Stein

Es sind kleine Abweichungen und auch große Neuerungen, die mich aus meinem Alltag reißen. Für die ich Zeit benötige, um sie in diesen Alltag eingliedern zu können, damit ich mich erneut wohlfühlen kann. Allein kann ich solche Änderungen ganz oft gar nicht meistern. Ich brauche eine gute Freundin oder meinen Partner, meine Familie oder einen sonstigen Bekannten. Dann fällt es mir leichter, denn ich weiß, dass ich den Weg nicht allein gehen muss.

Ja, auch allein würde ich den Weg schaffen. Das habe ich bei so manchen Abweichungen auch bereits getan. Aber es kostet viel Zeit und Arbeit, viel physische und psychische Kraft. Meist rebelliert mein Körper, ich fühle mich komplett elend und möchte so oft die Dinge einfach hinschmeißen. Möchte so oft auf eine mögliche Verbesserung meines Lebens verzichten, weil ich zu große Angst vor der Neuerung gehabt habe.

Und hinterher? Stelle ich ganz oft fest, dass meine Angst völlig umsonst gewesen ist. Dass der Weg viel leichter gewesen ist, als ich ihn mir vorgestellt habe. Meist musste ich gar nicht die Zugspitze erklimmen, sondern nur den Brocken. Manchmal war es auch nur ein kleiner Stein, der auf dem Weg lag und gar kein Berg, auf den ich steigen musste.


Kennt ihr solche Situationen auch? Wie geht ihr mit ihnen um?

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