Auf in ein neues Abenteuer

von Franzi
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Auf in ein neues Abenteuer – oder viel mehr auf in mehrere neue Solo-Abenteuer! Seit mehr als acht Jahren lebe ich in einer Beziehung, schon fast die ganze Zeit wohnen wir auch zusammen. Ich bin auf jeden Fall noch immer glücklich und kann mir ein Leben ohne den Herzmensch nicht mehr vorstellen. Doch in den rund 8,5 Jahren scheine ich mich selbst Stück für Stück etwas verloren zu haben. Ganz ohne bewusste Einwirkung von anderen, ganz ohne, dass es mir so bewusst war oder dass ich es gewusst so gewollt hätte.

Die Erkenntnis traf mich, als ich vor kurzem noch für zwei Tage alleine in Brighton und London unterwegs war, bevor ich nach einer Konferenz wieder nach Hause geflogen bin. Da saß ich, alleine in einem Café und fühlte mich extrem komisch und wie auf dem Präsentierteller. Und doch waren die zwei Tage bereichernd und auch wahnsinnig anstrengend. Nicht nur physisch, auch psychisch. Denn ich bin ein ziemlich introvertierter, schüchterner Mensch, der gerade, wenn er komplett mit sich selbst und den eigenen Gedanken alleine ist, auch stark an seinem Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu kämpfen hat. Und dann dachte ich in diesem Moment im kleinen, schnuckeligen Café in Brighton darüber nach, warum eigentlich und ob das schon immer so war.

Wenn die Introversion wächst, wenn man fast nie mit sich alleine ist

Tatsächlich bin ich zwar schon immer eher ein Mensch, der erst mal ein paar Stunden oder Tage mit neuen Menschen braucht, bis er sich wirklich offen zeigt. Doch gerade die Bekanntschaften von früher können nur den Kopf darüber schütteln, wenn ich sage, ich wäre schüchtern und introvertiert. Weil sie es einfach nicht glauben können. Und, wisst ihr was, es war früher auch ganz klar weniger schlimm – kein Wunder also, dass ältere Bekanntschaften irritiert sind, wenn ich ihnen das eröffne.

Ich habe das Gefühl, dass ich zwar eine andere Seite an mir kennengelernt habe, aber gleichzeitig in den letzten acht Jahren auch eine Seite von mir verloren hab. Nämlich die, die kein Problem hat, auch mal mit sich alleine zu sein. Die ohne Probleme alleine leben konnte, alleine Dinge unternahm, sich trotz Angst auch mal Herausforderungen stellte und sich durchgekämpft hat.

Blick auf die Berge am Eibsee in Bayern

Projekt Solo-Abenteuer – alleine Wandern? Los geht’s

Schon während meiner Jugend war ich, nach der Scheidung meiner Eltern und dem Auszug meiner Schwester, öfter alleine, wenn meine Mama bei ihrem Freund war. Das war okay, oft freute ich mich sogar, mit mir alleine zu sein, mein Ding zu machen, meine Serien und Filme zu schauen. Alleine etwas unternehmen war aber auch damals schon immer eine kleine Herausforderung. Damit meine ich nicht, mich in den Zug setzen und alleine irgendwo hinreisen, wo ich dann verabredet bin, sondern komplett alleine Dinge zu tun und zu reisen. Das habe ich tatsächlich noch nie so richtig gemacht. Dennoch lag das eher daran, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen bin, das zu tun. Vermutlich hätte ich gar kein Problem damit gehabt. Auch das alleine auf sich gestellt sein, als dann das Studium anfing, war eine Herausforderung. Aber eine, an der ich gewachsen bin und während der ich tolle Freunde kennen lernen durfte und gemeinsame Erlebnisse für immer abgespeichert habe.

Alleine Reisen, Restaurants, Konzerte oder Kino – unvorstellbar?

Und nun – schon seit acht Jahren lebe ich nicht mehr alleine, entscheide nicht mehr allein, was ich esse oder nur selten, wann und wo ich Urlaub mache, mache immer mehr nicht oder nicht selbst, treffe Entscheidungen nicht mehr alleine und kann mir das alleine Leben oder Reisen überhaupt nicht mehr vorstellen. Ich habe regelrecht Angst davor, alleine mein Ding zu machen und fahre mit angezogener Handbremse. Daran ist niemand schuld, nur meiner eigener, kleiner Schweinehund und mein eigener, eher größerer Selbstzweifel-Troll. Ich habe es mir einfach bequem gemacht, ich musste ja all das nicht machen, ich habe ja mein Sicherheitsnetz, meine zweite Hälfte, das passt schon.

Klar, ich fahre zur Buchmesse, aber auch das mache ich selten alleine und vor Ort bin ich ja auch nicht alleine. Aber was ich nicht mache, ist, alleine eine Reise zu machen, eine richtige, wie einen Roadtrip durch Skandinavien. Alleine zu Lesungen, Konzerten oder ins Kino zu gehen. Allein in Cafés und Restaurants, allein auch nur um die Ecke eine Wanderung machen – mache ich nicht, oder kaum. Warum? Gute Frage. Vielleicht ist es der Selbstzweifel, vielleicht die Angst, mit sich selbst und den eigenen Gedanken allein zu sein, vielleicht einfach nur die Ungewissheit, die mich verrückt macht.

Auf in neue Solo-Abenteuer

Und dann, in einem kleinen Café in Brighton, macht es plötzlich Klick (c) Franzi, mitohnemaske.de

Und dann, in einem kleinen Café in Brighton, macht es plötzlich Klick (c) Franzi, mitohnemaske.de

Doch dann sitze ich in diesem Café und denke mir – warum? Spaziere ein bisschen am Meer entlang und denke – genau das, das ist es, was ich verloren hatte. Die Fähigkeit, ich zu sein, alleine mit mir zu sein. Wieder die abenteuerlustige, aktive Franzi zu sein, die ich mal war. Daran waren auch viele private Dinge und Entwicklungen schuld. Aber dieser eine, einsame Blick aufs Meer hat mir irgendwie einen Schalter umgelegt. Hat etwas in mir wachgerufen, das mehr und mehr in mir grummelt und tobt!

Und so will ich in meine eigenen kleinen und großen Solo-Abenteuer starten, neben den Gemeinsam-Abenteuern und euch mit auf die Reise nehmen! Ich dachte mir, ich starte damit, euch immer dann einen Beitrag zu schreiben, wenn ich ein großes oder kleines Solo-Abenteuer geschafft und gemeistert habe, das etwas mit mir gemacht hat oder bei dem ich über meinen Schatten springen musste und wer weiß, wie sehr ich daran in den nächsten Monaten wachsen werde.

Es fängt ganz klein an – das erste Mal habe ich mir Karten für eine Lesung bestellt, ohne erst zu fragen, ob einer mitkommt und die Idee zu verwerfen, nur weil sich keiner findet. Ich werde allein zu Cafés gehen – weil ich sie schon immer ausprobieren wollte, alleine in Restaurants gehen, die ich schon immer probieren wollte, aber bei denen keiner mit möchte. Mir Kinofilme ansehen, die nur ich sehen will oder weil sonst keiner Zeit hat. Und – ich will einen Urlaub, den der Herzmensch nicht will? Na, scheiß doch drauf, dann mach ich ihn alleine und der nächste gehört dann wieder uns beiden. Der Herzmann steht nicht auf Wandern – na und, dann ey, Franzi, bring den Arsch hoch und geh alleine. Ich bin gespannt, was ich dadurch in den nächsten Monaten erleben werde und werde euch berichten, was die Solo-Abenteuer mit mir machen.


Wie sieht es bei euch aus – könnt ihr gut mit euch alleine sein, unternehmt ihr Dinge alleine, reist ihr alleine? Und falls ja – habt ihr Tipps und was war das Beste, was euch dadurch bisher passiert ist?

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