Mein Blick durchs Schaufenster

von Franzi
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Wie wäre es wohl, eine von ihnen zu sein?

Ich stelle mir vor, ich stehe vor einer Art Schaufenster und blicke hindurch. Auf der anderen Seite stehen all die Frauen, die immer super hübsch, geschminkt und gestylt sind, mit tollem Look. Wie es wohl ist, eine von ihnen zu sein? Darüber habe ich versucht, mir Gedanken zu machen, die ich natürlich gerne mit euch teile. Ich bin ich – etwas Wimperntusche, zweimal im Jahr etwas Lippenstift, ein Hauch Puder, mehr passiert bei mir morgens oder auch vor dem Weggehen nicht. Es war natürlich nicht immer so.

Die Früh-Pubertät – meine Schminke, meine Maske

Gerade während der Pubertät habe ich mich auch ausprobiert, bin nicht mal zum Müll rausbringen ohne Make-up gegangen. Dabei gab es bei mir so viele verschiedene Phasen, die ich bisher durchprobiert und gelebt habe. Doch das lag nicht daran, weil ich super talentiert bin und unbedingt lernen wollte, mich richtig zu schminken und “hübsch” zu machen – was an sich ja schon falsch klingt. Sondern es war viel mehr eine Maske, hinter der ich mein nicht vorhandenes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein versteckte. Ich fand mich einfach nur grauenhaft, wusste nicht, wie mich jemals jemand gut finden kann und dachte, ein Klacks Make-up wird’s schon richten und mich verstecken. Hatte ich keines drauf, bildete ich mir sofort ein, dass die ganze Welt mich anstarrt, dass jedes Lachen und Tuscheln gegen mich gerichtet war. Dann lernte ich neue Freunde kennen und aus der Maske aus mangelnden Selbstbewusstsein wurde kurzzeitig ein – ich will auffallen.

Schaufenster Franzi

Pubertät vs. ich bin so erwachsen – Schminke zum Auffallen

Zwischen 15 und 16 schlug das Ganze dann um. Plötzlich fühlte ich mich wohler in meinem Körper, hatte etwas abgenommen und zog mit engen Hosen und kurzem Rock plötzlich Blicke auf mich. Damals fand ich das super und so begann ich, doch mehr in den Schminktopf zu greifen und mein Taschengeld für Lidschatten und Co auszugeben. Ziel – ich will auffallen und ich will, dass ich, die sich immer als hässliches Entlein gefühlt hat, endlich auch mal bewundernde Blicke und Komplimente erhält. Und warum dachte ich, ist das der einzige und richtige Weg dahin? Weil die Medien, wie Bravo Girl und Co., mir das so verkauft haben. Lange hielt diese Phase aber nicht an – denn auch das war nicht ich, im Grunde war ich immer noch das gefühlte hässliche Entlein.

Zu mir selbst finden – oder nicht?

Beim Schul- und Stadtwechsel, mit neuen Freunden und dann beim Start des Studiums ging die Phase auch wieder zu Ende. Hier schwankte es so unfassbar. Ein paar Monate fiel ich zurück in früh-pubertäre Unsicherheiten, dann wiederum in die Phase danach. Ich nahm wieder zu und hatte wieder die hässliche Entlein-Phase – als wenn das eigene Körpergewicht irgendetwas mit der eigenen Schönheit zu tun hätte, Schwachsinn, aber leider auch heute noch manchmal in meinem Kopf. Doch mit jedem Jahr fand ich dann mehr und mehr das für mich richtige Maß.

Schaufenster Franzi

Ich bin einfach jemand, der eher Angst hat, sich mit Kajal und Co. ein Auge auszustechen. Der noch nie Eyeliner hatte und nicht mal wüsste, wie man den am besten anwendet. Die beim Versuch, Smokey Eyes zu zaubern, aussieht, als hätte sie zwei blaue Augen. Die sich fragt, wie andere Frisur und Lippenstift so hinbekommen, dass es nicht nach zwei Schritten vor der Haustür hinüber ist. Ich hasse Kleider und Röcke – aber nur jetzt. Eigentlich bin ich genau die, die gerne Kleider, Röcke und Co. trägt, aber ich fühle mich im Moment nicht wohl, habe nicht das Gefühl, dass ich darin gut aussehen könnte.

Und dann stehe ich dort, hinter meinem Schaufenster und beneide an manchen Tagen all die Frauen auf der anderen Seite. Die für mich so unbeschwert, wunderschön und einfach glücklich wirken und möchte das auch. Mich jeden Tag hübsch und bewundernswert fühlen, Komplimente bekommen und einfach nur meinen Stil ausleben. Ich weiß, eigentlich hindert mich nichts und niemand außer mein Selbstzweifel-Troll daran. Und – woher weiß ich denn, dass sich all die Frauen auf der anderen Seite des Schaufensters nicht auch fühlen wie ich, oder wie ich mich in einer der Phasen fühlte? Ob sie eine von den Frauen sind, die das super gerne machen und darin aufgehen oder eine wie ich, die sich dahinter nur versteckt und es gar nicht ist oder sich nicht traut? Und so schwankt es bei mir noch heute – mal bin ich Phase 2, mal 1 und mal bin ich einfach ich – Chucks, Jeans und nur mit Wimperntusche. Ich freue mich trotzdem für alle, die so viel mehr machen und damit bezaubernd aussehen und weiß, dass auch ich dennoch bezaubernd aussehe, auch wenn ich mich wie auf der anderen Seite des Schaufensters fühle.


Wie sieht es bei euch aus? Geht ihr im Schminken auf, liebt ihr es? Macht es euch Spaß? Oder seid ihr auch eher untalentiert wie ich? Oder ist es für euch auch eher eine Art Maske?

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