Brief an meine Mama

von Kate
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Du hast die Reißleine gezogen.

Du hast dich da rausgeholt, bevor die Hölle über dir eingebrochen ist. Und mich auch. Ich weiß gar nicht, ob ich mich jemals dafür bedankt habe. Dabei habe ich dir in so vielen Dingen zu danken.

Danke, dass du dich von meinem Vater getrennt hast, als du erfahren hast, dass er abhängig ist. Und das, obwohl ich erst zwei Jahre alt war.

Danke, dass ich eine unbeschwerte Kindheit erleben durfte, obwohl ich einen drogenabhängigen Vater habe. Ich danke dir dafür, dass ich das als Kind nicht mitbekommen musste. Dass er für mich immer mein Vater, mein Held, sein durfte, obwohl er zu dir in der Vergangenheit so ein Monster war.

Danke, dass du immer mich an erster Stelle gesehen hast. Mich und meine Beziehung zu meinem Vater, nicht deine zu ihm. Ich danke dir dafür, dass ich als Kind die Chance hatte, meinen Vater uneingeschränkt zu lieben, nicht zu sehen, wie kaputt die Drogen seinen Körper und seinen Charakter gemacht haben. Ich weiß, dass du ganz oft die Schuld auf dich genommen hast, obwohl es seine war. Dass du ihn vor mir immer in Schutz genommen hast, damit ich das Heldenbild von ihm nicht verliere.

Danke, dass du alles dafür getan hast, dass wir ein gutes Leben haben, dass wir auch ohne meinen Vater zurechtkommen. Ich danke dir so sehr dafür, dass du so einen vernünftigen Menschen aus mir gemacht hast. Es hätte bei diesen Verhältnissen, in denen mein Leben gestartet hat, ganz anders kommen können.

Danke, dass du, selbst als ich alt genug war, um es zu verstehen, nie wirklich schlecht über ihn geredet hast. Du hast mich nie in meiner Meinung beeinflusst, immer akzeptiert, dass ich ihn liebe, dass ich meinen Vater sehen wollte, auch wenn er es manchmal nicht wollte oder konnte.

Danke, dass du einen zweiten Vater für mich gefunden hast, der mich bedingungslos geliebt hat, der die Lücke eines Vaters gut ausgefüllt hat. Ich danke dir aber auch dafür, dass wir trotzdem ein Team geblieben sind. Obwohl es da dann noch eine dritte Person gab, waren es immer wir gegen den Rest der Welt.

Und das ist noch heute so: Wir gegen den Rest der Welt.

So vieles hat sich geändert. Mein Vater ist tot, mein zweiter Vater gegangen. Aber du bist noch da. Und ich weiß, dass du immer da sein wirst, immer wenn ich dich brauche. Dafür danke ich dir.

Mama, ich liebe dich.


 

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