Buchrezension: “Frau im Dunkeln” von Elena Ferrante

von Kate
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Frau im Dunkeln

Das diesmonatige Thema bei Mit ohne Maske ist Regretting Motherhood. Einige von euch kannten diesen Begriff vorher vielleicht nicht – mir ist er jedenfalls neu gewesen. Deshalb war ich umso überraschter, dass ich bei der Recherche nach Literatur zu diesem Thema nicht nur Sachbücher gefunden habe, sondern auch einen Roman. Und eines kann ich soweit schon einmal sagen: „Frau im Dunkeln“ von Elena Ferrante hat mich total überrascht.

Inhalt

In „Frau im Dunkeln“ geht es um Leda. Sie ist Ende Vierzig und verbringt ihren Urlaub in einem süditalienischen Küstenort. Am Strand begegnet sie einer jungen Mutter mit ihrer Tochter und das weckt einige Erinnerungen an ihre eigene Mutterschaft. Ihre mittlerweile erwachsenen Töchter leben bei deren Vater in Kanada und Leda verspürt nicht unbedingt Sehnsucht nach ihnen, sondern hauptsächlich Erleichterung.

Eine mürrische Frau

Ich muss zugeben, dass ich anfangs so meine Probleme mit Leda hatte. Sie ist eine sehr mürrische Frau, fühlt sich von vielem genervt, weshalb ich sie eher als unausstehlich empfand. Auch die Art, wie sie über die anderen Urlauber denkt, wirkt im ersten Moment sehr hart. Aber sie lässt nach und nach mehr hinter ihre Fassade blicken, und ich kann ihre Einstellung zwar nicht unbedingt nachvollziehen, aber irgendwie doch verstehen.

Leda und ihre Töchter

Leda verbringt ihren Urlaub am Strand. Sie genießt die Auszeit: Nur Bücher, Lesen, Sonne. Doch dann taucht eine neapolitanische Familie auf und mit ihr eine junge Mutter sowie deren Tochter. Die beiden geben für den stummen Beobachter ein ganz normales Mutter-Tochter-Gespann ab, doch Leda fühlt sich sehr von den beiden gestört. Von ihrer lautstarken Art zu spielen, von der für sie „übertriebenen“ Art der Mutter. Für Leda wirkt es nicht echt, sondern so als würde Nina, die Mutter, nur schauspielern, so viel Spaß mit ihrer Tochter zu haben. Denn für Leda ist es vollkommen abwegig, beim Spielen mit der Tochter Vergnügen zu empfinden.

Hier wird zum ersten Mal klar, dass sie eine Sicht auf das Verhältnis zwischen Müttern und deren Kindern hat, die als „nicht normal“ gilt. Was sie selbst weiß und was so viele widerstreitende Gefühle in ihr weckt. Denn Leda liebt ihre Töchter und möchte nur das allerbeste – weniger als das allerbeste ist auch nicht in Ordnung – und gleichzeitig bezeichnet sie ihre Kinder als egoistisch und dumm. Sie hat ein total verdrehtes Bild von sich selbst und ihren Töchtern.

Zwischen Mutterschaft und eigenen Träumen

Als ihre Töchter auf die Welt kamen, hat es ein bisschen gedauert. Doch irgendwann hatte Leda das Gefühl, dass ihre Kinder ihr alles aussaugen – die Schönheit, die Intelligenz, das pure Sein. Leda denkt, sie muss sich selbst aufgeben und nur noch für ihre Kinder da sein. Als sie sich dazu entscheidet, dass sie damit nicht mehr leben möchte, verlässt sie ihre Kinder. Doch das scheint auch nicht das Wahre zu sein.

Diesen Zwiespalt fand ich total interessant und auch erschreckend. Es ist ganz schlimm, dass manche Frauen in dieser Zwickmühle stecken. Dass sie ihre Kinder lieben und für sie da sein wollen, gleichzeitig aber auch immer das Gefühl haben, dass sie etwas verpassen. Mutter sein ist eben nicht immer erfüllend, für viele wirkt es eher erdrückend. Das Schlimme daran ist, dass Leda niemals gelernt hat, damit zu leben. Sie hat keinen Mittelweg gefunden und scheint insgeheim eine sehr unglückliche Frau zu sein.

Fazit

Das Thema Regretting Motherhood ist unglaublich wichtig, weil es viele Frauen betrifft. Frauen, die Kinder wollten und die es letztendlich doch nicht erfüllt. Durch Ferrantes „Frau im Dunkeln“ wurde ich sehr gut an dieses Problem herangeführt. Es stellt die widerstreitenden Gefühle, die diese Frauen verspüren können, wunderbar dar und lässt sie als Leser und Unbeteiligten gut nachempfinden.

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