Frauen, die Superhelden mögen

von Julia
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Frauen, die Superhelden mögen

Ich war schon immer ein Fan von Comics. Zwar waren es früher ausnahmslos Comics für Kinder und ich habe sie auch schon einmal eine Zeit lang aus den Augen verloren, seit mehreren Jahren bin ich allerdings wieder dem Comicwahn verfallen. Ich liebe Graphic Novels, schöne Independent Comics aus kleinen Verlagen, aber was das alles nicht toppen kann, das ist meine Liebe zu den Marvel-Comics aus dem Panini Verlag. Dabei weiß ich gar nicht mehr, was bei meiner Wiederentdeckung dieses Genres zuerst passierte. Die Liebe zum Marvel Cinematic Universe oder die Liebe zu den vielen Marvel Comics? Ich weiß es nicht mehr. Fakt ist jedoch: Stan Lee hat mir eine ganze Welt geschenkt.

Zuhause und empowert fühlen

Doch was ist es, das ich an Marvel so liebe? Ich habe mir diese Frage lange gestellt, denn rückblickend finde ich besonders die späteren Filme des Marvel Cinematic Universe  (MCU) erst so richtig toll und habe auch lange gebraucht, bis ich in den Comics und den vielen weiblichen Helden ein richtiges zu Hause gefunden habe. Aber ich denke, genau das ist es. Ich fühle mich zu Hause in einer Welt, die die Komplexität von Harry Potter und Game of Thrones um weiten toppt und mich immer willkommen heißt. Mit den Guardians kann ich den Weltraum retten und mit Captain America Hydra besiegen. Klingt das nicht fantastisch? Zudem laden insbesondere die Filme immer wieder ein, neue Theorien zu spinnen. Man kann ganze Nachmittage damit verbringen und die Zeit vergeht dabei wie im Flug.

Doch besonders die späte Entwicklung des MCU und der Comics haben mich Marvel lieben lassen. Schwarze Superhelden, weibliche Powerfrauen, die die Kräfte der Männer bei weitem übertreffen – und für die nächsten Filme ist auch eine lesbische Storyline angekündigt. Auch in den Comics lösen weibliche Superheldinnen die Männer immer mehr ab: She-Hulk, Jane Foster als Thor und nicht zuletzt Gwen Stacy als Spidergwen: Marvel bietet uns Identifikation und spätestens seit dem Captain Marvel Film weiß ich, was es bedeutet, absolut stark und empowert aus dem Kinosaal zu kommen. Wenn sich Männer nach jedem Superheldenfilm (mit bisher übrigens mit Ausnahme von Captain Marvel männlichen Protagonisten) so fühlen: Ich weiß, woher dieses männliche Ego und Selbstverständnis kommen.

Ein Traum mit Schattenseiten?

Das klingt alles wundervoll und ich bin ehrlich: Die meiste Zeit über fühlt es sich unglaublich gut an, in dieser Welt ein zu Hause gefunden zu haben, Freunde zu kennen, mit denen ich mich darüber austauschen kann und immer wieder, Monat für Monat auf den nächsten Film hinzufiebern. Doch das, was auf den ersten Blick als einfach nur schön erscheint, hat auch seine Schattenseiten. Kein Film wurde so heftig diskutiert, wie Black Panther kurz nach seinem Erscheinen, ein Film – bis auf Captain Marvel – der zum ersten Mal eine weibliche Superheldin alleine in den Fokus nimmt. Nicht erstaunlich ist, dass diese Kritik hauptsächlich von Männern kam – so leid es mir auch tut, da sich dadurch das Klischee einer männerdominierten Fandom wieder weiter durchsetzt.

Ich würde das gerne als Fake News abtun. Die Wahrheit ist jedoch, auch ich habe diese Abneigung schon mehrfach erfahren. In Gesprächen über Theorien, besonders im Internet, werde ich nicht ernst genommen. Ich bin ja eine Frau und die kennt sich mit sowas ja auch gar nicht aus. Es wird automatisch immer angenommen, dass ich die Filme nur schaue, weil mein Freund das tut und ich eben mitkomme. In der Mitternachtsvorstellung erntete ich mit meinem Captain Marvel Shirt schiefe Blicke (Gibt es tatsächlich auch Merchandise für Frauen?) und während ich mich besonders in Endgame über eine sehr feministische Szene freute, ertönten um mich herum Buh-Rufe. Immerhin möchte man lieber Cap, Thor und Tony kämpfen sehen und nicht etwa Wasp, Captain Marvel und Scarlet Witch.

How to deal with it?

Ich würde so gerne darüber stehen, muss aber gestehen, jede kleine Anmerkung in dieser Hinsicht wirft mich zurück und lässt mich daran zweifeln, ob es sich lohnt. So ging es mir zumindest früher häufig und ich finde, in der letzten Zeit hat sich unglaublich viel getan. Marvel Comics und auch die Anfänge des MCU waren lange Zeit wenig divers und sprachen so ein männliches, weißes, heterosexuelles Publikum an und das kann man keinem verdenken. Wenn Identifikation fehlt, dann fehlen die Leser.

So sehr ich es hasse, dass so wenig Umdenken bei den “alten Fans” stattfindet: Es tut sich so viel. Ich sehe junge Mädchen mit Captain Marvel Cosplays auf den Comic Cons. Ich sehe immer mehr Frauen im Kino und tausende von Fans, die Valkyrie in einer Beziehung mit Carol Danvers sehen wollen. Marvel selbst setzt sich für mehr Diversity ein und macht die Comics und die Filme immer bunter. Das macht mir unglaublich viel Mut und lässt mich von Tag zu Tag stolzer sein, dieser Fandom anzugehören. Es macht alles Negative leichter und öffnet sich so für die, denen das alles bisher verwehrt geblieben ist.

Wir brauchen mehr Identifikation und Marvel geht unglaublich stark und mit gutem Vorbild voran. Ich jedenfalls freue mich auf alles, was in Zukunft kommt.


Könnt ihr euch auch mit dem Marvel Fandom identifizieren? Welche Erfahrungen habt ihr als Fan in eher männerdominierten Bereichen gemacht?

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