Guter Sex ist kein Kinderspiel

von Maike
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Guter Sex ist kein Kinderspiel

Man lernt sich kennen, landet in der Kiste und der Sex ist sofort der Oberhammer. Wer’s glaubt. Aber dass es sich in Büchern und Filmen so oder so ähnlich abspielt, kann ich schon gut verstehen. Wer will schon erstmal unzählige Kapitel darüber lesen oder seinen Lieblingsdarstellern stundenlang dabei zusehen, wie man sich langsam und zaghaft annähert, Pleiten im Bett erlebt und am Ende vielleicht völlig frustriert mit dem Telefon in der Hand auf dem Sofa sitzt und der besten Freundin die Vermutung beichtet, dass man die totale Niete im Bett ist? Mal ist das ja ganz nett und erfrischend, aber im Allgemeinen möchte ich dann eigentlich schon, dass andere Dinge in der Geschichte im Mittelpunkt stehen und der (gute) Sex nur das nette Schmankerl bleibt. Dass dieser perfekte, Welt verändernde Sex nur wenig bis gar nichts mit der Realität zu tun hat ist also klar. Okay, ich gestehe: mit meiner Realität hat er nichts zu tun! Bis ich mal soweit war, “Ja, Schatz, ja, hör jetzt bloß nicht auf. JA!” zu stöhnen, war es ein langer, von Pannen und Enttäuschungen gesäumter Weg.

Mein erstes Mal ist schon einige (um nicht zu sagen viele) Jahre her. Mein damaliger Freund war etwas älter als ich und hatte bereits ein wenig Erfahrung. Die Betonung liegt hier auf wenig! Um wirklich ganz sicher zu gehen, dass aus unserem Stelldichein kein Baby-Victor entstand, zog er sich nicht ein, sondern gleich zwei Kondome über. Vorspiel, Gleitgel? Braucht keiner, Trockenstart mit Anlauf tuts auch. Ganz nach dem Motto Was nicht passt, wird passend gemacht, würgte und schraubte er dann da zwischen meinen Beinen rum, während ich im Kopf bereits die Sache mit dem Sex abgehakt hatte und wieder bei meinen Hausaufgaben war. Ich war von diesem einen Mal jedenfalls so bedient, dass ich der ganzen Sache erstmal abschwor. Sex? Ist scheiße, brauch ich nicht!

Der nächste Typ, mit dem ich mich an das Abenteuer Matrazensport gewagt hatte, war damals tatsächlich bereits einundzwanzig (ich war siebzehn), voll mein Typ und total lieb. Die Zeit im Bett hatte er aber definitiv mit einer Akrobatiknummer im Zirkus verwechselt. So schnell, wie er mich von der einen Position in die Nächste gebracht hatte, konnte ich noch nicht mal Piep sagen und als mein Hinterkopf dann auch noch gegen das Aquarium gedonnert ist, wars vorbei. Aber küssen konnte der Kerl, das muss man ihm ja lassen. Darauf folgte ein One-Night-, nee, One-Hour-Stand. Wir hatten uns in der Disko kennengelernt, er war schnuckelig, roch gut und ich hatte Bock. Tja und so landeten wir bei mir im Wohnzimmer, auf dem Fußboden, knutschten, wälzten uns umher, zogen uns gegenseitig aus und .. Vollkatastrophe! Da hat Mister Lover Lover doch tatsächlich den Eingang nicht gefunden? Selbst nach mehrmaligem Nachschauen? Himmel nein, ey.

Als nächstes lernte ich meinen heutigen Mann kennen und dafür bin ich dem Universum unendlich dankbar. Nicht nur, weil ich wie verrückt liebe und nicht mehr missen möchte, sondern, weil ich durch ihn den Spaß am Sex entdeckt habe. Aber auch mit ihm klappt es nicht auf Knopfdruck und wir haben so einige Bettpannen erlebt. Der Unterschied war hier nur, dass er mich nicht an die Hand genommen und die Führung übernommen hat, sondern mich fragte, was mir denn gefiele. Mit der Frage hatte er mich erstmal Schachmatt gesetzt, denn ich wusste es ehrlicherweise gar nicht. Was nicht schlimm war, denn so hatten wir ganz viele Gründe, ewig nicht aus dem Bett zu kommen, sondern unsere Zeit damit zu verbringen, unsere Vorlieben zu entdecken und nachdem wir das geschafft hatten, machten wir uns daran, unsere gemeinsamen Vorlieben herauszufinden. Es war toll. Nicht perfekt im Sinne von Welt verändernd, sondern einfach toll.

Inzwischen teilen wir das Bett seit vielen Jahren und kennen uns wie unsere Westentasche. Man könnte also meinen, dass guter Sex für uns nach all der Zeit tatsächlich so etwas wie ein Kinderspiel geworden ist, aber Nein! Auch heute noch entdecken wir immer wieder Neues, probieren aus und erleben Pleiten. Doch das stört uns nicht, im Gegenteil, dass wir nicht stehen geblieben und offen für fast alles sind, so verrückt die Einfälle auch manchmal klingen mögen, macht unseren Sex für mich perfekt. Und dafür brauchte es nur jemanden der mir sagt, dass ich allererstes mich selbst kennen und für mich sprechen muss.
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Wie war es bei euch: hattet ihr von Beginn an tollen Sex, oder war es, ähnlich wie bei mir, eine Entwicklung?

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