Ich wollte dich doch so sehr lieben!

von Svea
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Ich wollte dich von Beginn an so sehr lieben, konnte es aber nicht
Ich wollte dich von Beginn an so sehr lieben, konnte es aber nicht
Ich wollte dich von Beginn an so sehr lieben, konnte es aber nicht
Ich wollte dich von Beginn an so sehr lieben, konnte es aber nicht
Ich wollte dich von Beginn an so sehr lieben, konnte es aber nicht
Ich wollte dich von Beginn an so sehr lieben, konnte es aber nicht

Meine Schwangerschaft war für uns eine große Überraschung. Nicht, weil wir nicht wussten, dass durch Sex Kinder entstehen oder weil wir keine Eltern werden wollten, sondern weil es hieß, dass ich nicht schwanger werden könnte. Und ich wurde es auch tatsächlich Jahre lang nicht und daran hatte ich ziemlich schwer zu knabbern. Irgendwann hatte ich mit dem Thema abgeschlossen, mich damit abgefunden, keine Mama zu werden und nach vorne geschaut.

Alles begann mit starkem Schwindel

Eines Morgens stand ich auf der Arbeit und plötzlich drehte sich alles. Ich ging zum Waschbecken, spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht und benetzte meine Fesseln damit, aber es half nichts. Ich ging nach Hause, legte mich ins Bett und nach zwei Stunden Schlaf gings mir wieder gut. Ein paar Tage später ging der Schwindel von vorne los, diesmal begleitet von heftiger Übelkeit. Ich ging zum Arzt. Mein Blutdruck war im Keller, ich sah ziemlich kalkleistig aus und zitterte. Diagnose? Grippe. Krankschreibung? Eine Woche.

Scheiße, was hast du denn da an deine Wäsche gemacht? Das stinkt ja widerlich!

Meine Freundin und Nachbarin klingelte bei mir und als ich die Tür öffnete, wehte mir ein Gestank in die Nase, der sofort Würgereiz in mir auslöste. So etwas ekliges hatte ich noch nie gerochen und ich hätte ihr am liebsten die Tür vor der Nase zugeknallt oder sie zumindest erstmal mit meinem Lieblingsparfum eingenebelt. Wie sich herausstellte, war ihr Weichspüler der Übeltäter, was echt witzig ist, denn eigentlich liebte ich den Duft und hatte ihn in der Vergangenheit selbst oft für meine Wäsche benutzt und plötzlich hätte ich lieber neben einem Klärbecken gefrühstückt, als nur fünf Minuten neben meiner Freundin zu stehen.

Das konnte nicht sein. Oder doch?

Mir kam das alles reichlich merkwürdig vor und obwohl man mir bereits Jahre zuvor klar gemacht hatte, dass ich niemals würde Kinder kriegen können, schlich sich der Gedanke an eine Schwangerschaft leise in meinen Kopf. Konnte es vielleicht doch sein …? Ich brauchte Gewissheit und so fuhr ich mit meinem Mann an einem Feiertag 35 Kilometer zur nächsten Notapotheke und besorgte mir einen Schwangerschaftstest. Im Wald hinter einer Bank pinkelte ich auf den Streifen, während mein Mann seinen noch fix besorgten Burger futterte. Ich hatte meine Hose noch nicht ganz hochgezogen, da sah ich sie schon, die zwei roten Striche. Ich fing an zu weinen. Und biss dann ebenfalls in einen Burger, versunken in meine Gedanken und Gefühle.

Jeder Vorsorgetermin war ein Gang durch die Hölle

Diese Schwangerschaft war ein Geschenk und ich freute mich riesig auf den kleinen Wurm, der da in mir heranwuchs. Aber mit dieser Freude kam auch die Angst. Ich wurde extrem vorsichtig bei allem, was ich tat, hörte immerzu in mich hinein und nachdem ich die ersten Bewegungen meines Kindes spürte, machte ich mir Sorgen, wann immer es etwas ruhiger in meinem Bauch wurde. Ganz schlimm waren die Gänge zum Frauenarzt. Die Angst vor einem Kopfschütteln und endgültigen Worten war wahnsinnig groß. Ich hätte meine Schwangerschaft gerne genossen, aber ich konnte es nicht.

Und plötzlich musste es ganz schnell gehen.

Mein kleiner Mann hat lange auf sich warten lassen, ja, sogar die Geburtseinleitung hat ihn nicht dazu bewegt, aus mir herauszukommen. Dabei wollten wir ihn doch unbedingt kennenlernen und im Arm halten! Sonntags Nachmittag dann wurde festgestellt, dass die Herztöne meines Kindes schlecht sind und auf einmal musste es ganz schnell gehen. Ich weiß noch, wie ich auf dem Weg ins Krankenhaus zu meinem Mann sagte, dass alles gut ist, solange ich nicht in den OP müsste. Aber genau das stand mir bevor. Plötzlich zogen viele Hände an mir und bereitet mich auf den Notkaiserschnitt vor. Und ich wurde ganz ruhig. In diesem Moment ging es nicht um mich und meine Panik vor Operationen, sondern um das Leben meines Kind, für das es in dem Moment gar nicht gut aussah. Ich wurde ruhig, gab mich der Situation hin und ließ die Leute um mich herum ihren Job machen. Vertraute darauf, dass sie mir mein Kind in den Arm legten. Lebend.

Ich wollte dich doch so sehr lieben!

Man hört immer, dass in dem Moment, in dem man in die Augen seines Kindes schaut, das Herz vor unendlich viel bedingungsloser Liebe überläuft. Nicht bei mir. Als ich nach der Vollnarkose zum ersten Mal aufwachte, legte man mir mein Kind in die Arme, aber das registrierte ich nur wie durch einen Schleier. Als ich das nächste Mal die Augen aufschlug, lag ich schon in meinem Zimmer, Mann und Kind bei mir. Ich beobachtete die beiden heimlich und wartete darauf, dass sich das Verlangen nach meinem Kind in mir zeigte. Aber es kam nicht. Auch, als ich ihn später in meinem Arm hatte, regte sich nichts in mir. Ich wollte weinen. Mein größter Wunsch war in Erfüllung gegangen, ich war Mutter, das Wunder lag in meinen Armen und ich empfand einfach gar nichts. Und es brach mir das Herz.

Zuerst wurden wir Freunde, dann ein unschlagbares Team!

Wie ich im Nachhinein unter anderem auch durch Gespräche mit meiner Hebamme und meiner Ärztin herausfand, hatte ich ein Problem damit, meinen Sohn mit mir in Verbindung zu bringen. Genauer gesagt: mir fehlte das Erlebnis der Geburt. Ich habe dem wirklich sehr lange nachgetrauert, dabei ist das ja nun mal nichts, was man hätte rückgängig machen können. Mein Kind war da. Und mit der Zeit kamen wir uns immer näher. Ich erkannte Ähnlichkeiten zwischen ihm und meinem Mann, was mir dabei half auch ganz tief in meinem Inneren zu verstehen, dass dieser wunderbare Junge mein Sohn ist und nicht der von irgendwem anders. Heute kann ich mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Er treibt mich in den Wahnsinn, bringt mich um meinen geliebten Schlaf, stellt die gesamte Bude in Windeseile auf den Kopf und füllt mein Herz mit so viel Liebe! Und während ich mich niemals an seine Geburt erinnern werde und das lange Zeit betrauert habe, trage ich heute meine Narbe mit stolz und freue mich darüber, dass sie mich mein Leben lang daran erinnern wird, dass ich meine größte Angst überwunden und dank ihr mein Kind an meiner Seite habe.

 

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