Im Gespräch mit: Melanie berichtet über ihre Erfahrungen mit Regretting Motherhood

von Franzi
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Im Rahmen des Regretting-Motherhood-Monats gingen bereits zwei Interviews für euch online, einmal mit Christine und einmal mit Vivien. In unserem dritten und letzten Interview berichtet uns Melanie von ihren Erfahrungen.

1. Magst du uns erst einmal kurz etwas über dich erzählen?

Mein Name ist Melanie und ich bin 32 Jahre alt. Ich arbeite als Grundschullehrerin an der örtlichen Grundschule und meine Tochter ist jetzt bald 3 Jahre alt.

2. Was bedeutet für dich ‚Regretting Motherhood‘?

„Regretting Motherhood” ist zumindest in einer Form Teil meiner Geschichte. Vor der Geburt meiner Tochter war es mir kein Begriff, aber inzwischen kann ich es sehr gut nachfühlen.

3. Was ist der größte Unterschied zwischen deiner Vorstellung des Mutterseins vor der Schwangerschaft und der jetzigen Realität?

Ich habe mir von der Geburt meiner Tochter Liebe auf den erst Blick versprochen, dieses Gefühl, dass man alles tun würde, um dieses kleine Wesen zu beschützen, weil die Liebe so grenzenlos ist. Aber da war nichts nach der Entbindung, nur Ängste und das Gefühl, dass mir meine Freiheit genommen wurde, und zwar für den Rest meines Lebens.

4. Gibt es bestimmte Situationen, in denen alles zu viel ist/du die Mutterschaft bereust?

Inzwischen sind die Momente seltener geworden. Aber der Gedanke wird vor allem dann laut, wenn die Phase gerade anstrengend ist. Anfangs reichte schon ein Geräusch des Babys, damit ich innerlich sauer auf mich selbst wurde, dass ich es je gewollt hatte.

5. Was hilft dir, trotz allem tagtäglich in deiner Mutterrolle zu sein bzw. gibt es Momente, in denen du das alles vergessen kannst?

Ich nehme mir von Anfang an Auszeiten, gehe mit meinen Mädels weg, nehme die Großeltern in Anspruch, um Zeit mit meinem Mann allein zu verbringen. Das hilft.

6. Redest du in deiner Familie offen über deine Gefühle und Probleme und falls ja, wie reagiert dein Umfeld?

Meine Familie war zum großen Teil sehr verständnisvoll und hat mich unterstützt. Und in meinem Umfeld gab es überraschend viel Zuspruch. Oft habe ich den Satz „So ähnlich ging es mir auch.“ oder „Ich kann das so gut verstehen.“ gehört.

7. Inwiefern hilft es, sich auf Social Media und Co zu öffnen und auszutauschen?

Man bekommt Zuspruch und merkt, dass man nicht allein ist. Das hilft sehr. Der Instagram-Account (@mommy_lifelong) ist so eine Art Selbsttherapie.

8. Wie hast du dich über das Thema Regretting Motherhood informiert? Das Thema ist ja leider nicht wirklich präsent und wirkt eher als Tabuthema.

Tatsächlich habe ich mich nur grob über das Internet informiert. Weiteren Input gab es über meine Hebamme und meine Therapeutin.

9. Hast/Hattest du Hilfe bzw. wolltest Hilfe in Anspruch nehmen und falls ja, wie hast du diese bekommen?

Ich habe damals eine Gesprächstherapie gestartet, die mir sehr geholfen hat. Außerdem habe ich immer viel mit Freunden und Bekannten gesprochen.

10. Wie gehst du damit um, wenn Menschen sagen, dass du es ja selbst gewählt hast, Mutter zu sein und dich nun nicht beschweren sollst?

„Hormone sind Arschlöcher“, ist mein liebster Spruch. Ich habe mich doch selbst nicht mehr im Spiegel wiedererkannt. Und ein Baby verändert das Leben so derart, da kann man nicht vorher wissen, was das mit einem macht.

11. Denkst du, dass Regretting Motherhood ein gesellschaftliches Problem ist – dass es beispielsweise weniger stark oder oft vorkommen würde, wenn Frauen mit Kind gesellschaftlich besser unterstützt werden?

Ich denke tatsächlich, dass es an der modernen Rolle der Frau liegt. Wenn man arbeitet und ein finanziell unabhängiges Leben führt, ist mit einem Baby zu Hause „gefesselt“ zu sein sehr lebensverändernd. Früher war es normal, dass die Frau zu Hause war und sich um Haushalt und Kinder gekümmert hat. Heute hängt am Kinderwunsch so viel mehr dran.

12. Gibt es etwas, das du anderen Müttern, denen es ähnlich geht, mit auf den Weg geben möchtest?

Redet darüber! Mit wem auch immer. Sucht euch Leidensgenossinnen und unterstützt euch gegenseitig. Und holt euch Hilfe! In der Familie oder eben vom Profi. Lasst euch im Alltag unterstützen und nehmt euch Auszeiten.

13. Gibt es etwas, das du anderen, die nicht betroffen sind, mit auf den Weg geben möchtest?

Seid tolerant. Das, was ihr mit euren Kindern habt, hätte ich auch gerne gehabt. Ich habe mich nicht für diese Gefühle entschieden.


Vielen Dank liebe Melanie für deine offenen Antworten! Wir hoffen, wir konnten euch, falls ihr auch betroffen seid, mit den Interviews zeigen, dass ihr nicht alleine seid und ihr konntet Tipps mitnehmen, was helfen könnte. Und wenn ihr nicht betroffen seid, hoffen wir, wir konnten euch mit den drei Gesprächen das Thema Regretting Motherhood noch etwas näherbringen und verständlicher machen.

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