Mein Leben mit meiner Behinderung

von Vera
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Seit meinem Unfall bin ich behindert und hasse es!
Seit meinem Unfall bin ich behindert und hasse es!
Seit meinem Unfall bin ich behindert und hasse es!

Ich bin 25 Jahre alt. Ich bin seit jetzt fast vier Jahren behindert.

Ehrlich gesagt, komme ich nicht ganz so gut damit zurecht, auch wenn ich die Leute um mich herum glauben lasse, das es so wäre. Vor allem die, die ich nicht so gut kenne. Aber es ist eine Lüge. Ich weiß, dass ich eigentlich mal zum Therapeuten müsste und mich auch psychisch abchecken sollte. Aber es fällt mir schwer, weil immer etwas dazwischen kommt oder ich mir einbilde, keine Zeit zu haben. Weil Arbeit geht ja vor. Und meistens bin ich dort auch so abgelenkt, dass ich gar keine Zeit habe, mir über meine Behinderung Gedanken zu machen. Was sich jetzt so anhört, als würde ich im Alltag meine Behinderung nicht bemerken. Im Gegenteil. Es gibt immer viele kleine Situation, die “normale” Menschen machen können, ich aber nicht mehr kann. Es belastet mich zu sehen, dass sie etwas können, was ich nicht (mehr) kann. Ich beneide Menschen, die sich ohne Probleme bewegen können ohne Schmerzen zu empfinden. Ich beneide Menschen, die ohne Schmerzen den Tag überstehen und am Ende sich ganz normal ins Bett fallen lassen können.

Ich rede nicht gern darüber, wenn Menschen mich in einem kalten Moment erwischen. Ich beantworte sehr gerne alle Fragen zu dem Unfall an sich, aber nicht über die Folgen und über die möglichen Behandlungsmöglichkeiten. Hin und wieder erzähle ich von selbst was dazu. Aber ich mag es nicht, wenn mich Leute dazu fragen, weil ich dann genauer drüber nachdenken muss und mich das gefühlsmäßig einfach zu tief in die Depression schmeißt. Da wären wir bei dem Thema, dass ich mich selbst dafür nicht ausstehen kann.

Ich versuche immer wieder die Tatsache, dass ich meinen Kopf nicht wie alle anderen bewegen kann, zu vertuschen. Natürlich gelingt es mir nicht und es gibt eine Frage/n, die ich wie die Pest hasse: “Sag mal, ist dein Hals steif? Kannst du ihn nicht richtig bewegen?”
Fragt man einen Mensch im Rollstuhl auch, ob er nicht laufen kann? Fragt man einen Blinden, ob er nicht sehen kann?
Aber danke, dass ihr mich nochmals auf meine Einschränkung hinweist. Vielleicht ist es mir selbst ja noch nicht aufgefallen.

Klar, ich habe mich jetzt seit vier Jahren an diese Sache gewöhnt, aber das heißt nicht, dass ich mich damit abgefunden habe. Ich kann nur immer wieder sagen: “Es ist halt jetzt so, aber ich hasse es.”

Ich hasse den Tag, als der Baum auf unser Auto fiel. Ich hasse es, dass mein komplettes Leben sich in einer Sekunde komplett geändert hat. Für immer. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, dass ich damals am 10.01.2015 andere Entscheidungen getroffen hätte. Vor allem, weil ich nicht alleine an dem Unfall beteiligt war. Ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen, nur schon um ihretwillen. Natürlich, wir beide sind jetzt ein Herz und eine Seele und vermutlich wären wir nie so eng miteinander befreundet, wenn uns dieses Ereignis nicht ereilt hätte. Und ja, mein Leben wäre vermutlich komplett anders verlaufen, wenn wir diesen Unfall nicht gehabt hätten. Ich hätte womöglich nie mit dem Bloggen angefangen und hätte nie die wundervollen Menschen kennen gelernt. Trotzdem. Ich wünschte, ich könnte einfach die Zeit zurückspulen. Und danach einfach mein Leben so nehmen, wie es jetzt ist. Nur ohne diesen Unfall. Denn abgesehen von der Tatsache, bin ich aktuell ganz zufrieden.

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