Meine Mutter liebt mich nicht

von Clara
8 Gedanken

Meine Mutter liebt mich nicht. Das würde sie niemals zugeben, aber sie kann auch nicht sagen, dass sie es tut. Meine Mutter hat mir noch nie gesagt, dass sie mich liebt. Selbst “Hab dich lieb”s sind unglaublich selten und wirken grundsätzlich erzwungen, als fühle sie sich dazu verpflichtet, das zu sagen.

Schon als Kind ist mir früh bewusst geworden, dass etwas an dem Verhältnis von meiner Mutter und mir nicht stimmt. Wenn ich die anderen Kinder mit ihren Eltern beobachtet habe, wirkte die Verbindung immer viel vertrauter und liebevoller als meine. Ich hatte immer nur meine Mutter, meinen biologischen Vater kenne ich nicht. Daher war sie meine einzige richtige Bezugsperson und ich wollte, dass sie mich liebt. So wie vermutlich jedes Kind von seiner Mutter geliebt werden will.

Meine Mutter war jung als sie mich bekommen hat, zu jung vermutlich. Mit noch 17 schon ein Kind aufziehen zu müssen, ist mit Sicherheit hart und ich möchte mir gar nicht vorstellen, welche Hürden sie überwinden musste, da sie schon früh auf sich alleine gestellt war. Vielleicht liegt es daran, dass sie ihre Gefühle nicht zeigen kann, da sie schon in so jungen Jahren eine Kämpferin sein musste. Aber eigentlich ist das für mich auch keine Entschuldigung.

Mutterliebe

 

Ich bin von klein auf kein Mensch, der sich verbiegt oder verändert, um gemocht zu werden. Ich wollte schon immer, dass man mich so akzeptiert, wie ich bin. Und das galt auch für meine Mutter. Echte Liebe kann es meiner Meinung nach nur sein, wenn ich nicht perfekt dafür sein muss. Immerhin sollte eine Mutter ihr Kind doch lieben und das bedingungslos, oder nicht? Das zumindest was meine Vorstellung von Liebe. Gelobt zu werden, wenn ich etwas gut gemacht hatte, war für mich einfach nie das Gleiche. Dann wäre Liebe erkaufbar und nicht echt. Zumindest sehe ich das so – auch heute noch.

Ich glaube, ich war 11 oder 12 Jahre alt, als ich mich das erste Mal bewusst gefragt habe, ob meine Mutter mich einfach nicht liebt und warum. Damals hat es mich hart getroffen und ich konnte diese Tatsache lange nicht akzeptieren. Ich habe immer wieder darauf gehofft, dass meine Mutter mir beweist, dass ich unrecht habe. Dass sie sich zu mir umdreht, mich anstrahlt und mir sagt “Ich liebe dich!” Einfach so, einfach weil sie es so empfindet. Ich habe Jahre gebraucht um zu akzeptieren, dass ich diese Worte vermutlich niemals von ihr hören werde. Eigentlich kann ich es auch heute noch nicht komplett lassen, auf diesen Moment zu hoffen. Vielleicht werde ich es niemals können.

Meiner Meinung nach ist die bedingungslose Liebe der Mutter etwas Essentielles und sollte keinem Kind verwehrt bleiben. Ob meine Mutter diese Liebe nicht empfindet oder einfach nicht in der Lage ist sie auszudrücken, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass sie mir fehlt und ich mir wünsche, es wäre anders gelaufen.


Seid ihr selber Mutter und kennt diese Schwierigkeit oder hattet ihr auch solche Probleme mit euren Eltern?

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Sandra 4. April 2019 - 07:50

Feel you. Ich habe wahrscheinlich vieles verdrängt, aber an ein “Hab dich lieb” aus dem Mund meiner Mutter kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß nicht, was ich glauben soll, denn man sagte mir einmal, ich wäre ein Wunschkind gewesen. So fühlte es sich aber später nicht mehr an. Als ich um die 20 Jahre alt war, gab es einen harten Cut (eine Äußerung, die ich ihr nie verziehen habe) und ich wusste in diesem Moment, dass ich alle Verbindungen kappen und nie wieder mit ihr etwas zu tun haben möchte.

Ich bin selbst mit 21 Mutter geworden, war alleine, auf mich gestellt und leicht war das sicher nicht. Doch ich habe meine Kinder lieb und sage ihnen das auch. Umgekehrt genauso. Ich möchte nicht, dass sie sich fühlen, wie ich mich gefühlt habe. Abgelehnt, unverstanden, lästig, zu dick, unansehnlich, nicht so erfolgreich wie sie es gerne hätte.

Danke für deinen Artikel…

Liebe Grüße
Sandra

Antworten
Clara 9. April 2019 - 10:56

Liebe Sandra,

vielen Dank für deine liebe Antwort. Verdrängt habe ich sicherlich auch eine Menge und ich kann es gut nachvollziehen, dass man irgendwann diesen Cut ziehen muss. Aktuell habe ich auch Abstand zu meiner Mutter, inwiefern das so bleibt weiß ich selber noch nicht. Ich finde es schön, dass du deinen Kindern sagst und zeigst, dass du sie liebst, sollte ich Kinder bekommen, möchte ich ihnen nämlich auch das geben, was mir gefehlt hat!
Ich wünsche dir noch viel Kraft und alles Gute!

Liebste Grüße
Clara

Antworten
Susi 5. April 2019 - 09:20

Fehlende Mutterliebe ist eines der schlimmsten Dinge, was einem Kind passieren kann. Manche erholen sich davon ein ganzes Leben lang nicht. Ich denke, so etwas lässt sich schwer verzeihen und nicht wieder gut machen. Das einzige, was vielleicht etwas Linderung verschafft, ist sich klar zu machen, dass die Mutter, die keine Liebe geben kann, selbst eine psychische Störung hat. Auch wenn sie sich das selbst nicht eingesteht. Das Wichtigste ist, zu lernen, dass Du liebenswert bist, komme, was wolle, auch wenn dieser wichtige Mensch es nicht geschafft hat, Dir das beizubringen. ❤️

Antworten
Clara 9. April 2019 - 11:00

Liebe Susi,

vielen Dank für deine liebe Antwort!
Auf eine gewisse Art und Weise verfolgt mich das auch mein Leben lang, insbesondere was mein Selbstwertgefühl angeht. Ich habe natürlich viele Schwierigkeiten dadurch und ich weiß, dass es vermutlich ein ewiger Kampf bleibt mich selbst zu akzeptieren. Das meine Mutter selber viele Schwierigkeiten im Leben hatte weiß ich auch und das sie auf irgendeine Art und Weise dadurch verlernt hat zu lieben oder es zeigen zu können. Ob es tatsächlich dadurch besser wird, weiß ich nicht, denn eigentlich ändert es nichts daran, dass es mir weh tut.
Ich versuche mir selber aber immer wieder bewusst zu machen, dass ich liebenswert bin und es verdient habe, anerkannt und akzeptiert zu werden, auch wenn es schwer ist.

Liebste Grüße,
Clara

Antworten
Franziska 8. April 2019 - 10:03

Ich kenne das. Meine Mutter hat immer gesagt, dass sie mich liebt und ich ihr das wichtigste überhaupt bin. Ging es aber darum, mir zu helfen: Schutz vor Mobbern, mich nicht zwingen, zu lächeln, wenn ich weinen wollte, mich nicht überreden, anderen zu sagen, dass alles ok wäre bei meiner Familie, wenn überhaupt nichts ok war – dann war sie nicht da. Ich sollte funktionieren, dann wurde ich “geliebt”. Geklickt hat es erst mit Mitte 20, als sie mir gesagt hat, es würde ihr immer schlechter gehen als mir, also müsse ich immer da sein, um sie aufzumuntern und ihr zu helfen. Da habe ich verstanden,dass das keine Liebe ist.

Antworten
Clara 9. April 2019 - 11:04

Liebe Franziska,

nein, so sollte meiner Meinung nach Mutterliebe nicht aussehen und es tut mir leid, dass du da ähnliche Erfahrungen machen musstest. Ich wünsche das niemanden, da ich ja weiß, wie hart das ist. Dir nur Zuneigung zu geben, wenn du die Vorzeigetochter warst, das sollte nicht der Fall sein, ich denke, eine Mutter sollte immer für einen da sein, egal was ist.
Ich werde bald auch einen Beitrag dazu schreiben, wie ich versuche damit umzugehen, was mir hilft und auf welche positiven Erfahrungen ich mich konzentriere. Vielleicht würde dich das ja auch interessieren, oder du hast sogar Tipps für mich!

Liebste Grüße
Clara

Antworten
Franziska 10. April 2019 - 09:52

Oh ja, das interessiert mich sehr! Schreibst du mir deshalb?

Antworten
Jenny 12. April 2019 - 19:21

Ich werde versuchen, dran zu denken, ansonsten kannst du unsere Seite auch einfach über Twitter, Facebook und Instagram im Blick behalten oder per Mail folgen 🙂

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