Tochter sein | Brief an meine Mutter

von Julia
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Vom Tochtersein | Offener Brief an meine Mama zum Muttertag

Wenn ihr MitohneMaske verfolgt, dann habt ihr es sicher schon gesehen: Wir feiern den Muttertag und euch erwarten hier neben tollen Tipps auch Briefe, die wir an unsere Mütter schreiben. Erst hat es sich ganz komisch angefühlt, denn ich habe ein sehr offenes und tiefes Verhältnis zu meiner Mutter und es fühlt sich falsch an, diese Dinge hier zu schreiben, obwohl ich ihr das alles auch sagen könnte. Aber es gibt da ein paar Gedanken, die sagt man nicht jeden Tag oder zumindest nicht so oft es eben geht. Und hier ist ein toller Ort, um genau das einmal auszusprechen, oder?

Vom Tochter sein

Wir zerbrechen uns häufig den Kopf, wie es ist, Mutter zu sein. Ist es ein schönes Gefühl, hat es seine Schattenseiten? Was macht dich zu einer guten Mutter und wie genau musst du dich verhalten, wenn du eine gute Mutter bist? Ich weiß nicht, was du dazu sagst, aber ich finde, das mit mir und meiner Schwester, das hast du ziemlich gut hinbekommen. Zumindest, soweit ich das beurteilen kann. Du warst genauso alt wie ich, da hattest du dieses kleine Mädchen von gerade einmal einem halben Jahr und hast sie umsorgt, sie beschützt, sie aufgezogen. Ich frage mich häufig, wie das gewesen sein muss, denn du warst so alt wie ich und ich sorge mich um so viele Dinge, dass ich es mir nicht vorstellen könnte, mich darüber hinaus um ein kleines Lebewesen zu kümmern. Aber du hast das geschafft und ich wiederhole mich, wenn ich sage: Meiner Meinung nach ziemlich gut.

Ich weiß nicht, wie es ist Mutter zu sein. Wir zerbrechen uns häufig den Kopf, wie es ist, Mutter zu sein – eine gute Mutter zu sein. Und trotzdem weiß ich es nicht. Aber weißt du, was ich weiß? Ich weiß, wie es ist Tochter zu sein. Und das ist mindestens mal genauso wichtig, findest du nicht? Immerhin kennst du mich schon genauso lange, wie ich dich und daran ändert sich auch so schnell nichts. Du hattest lange Zeit, um zu lernen, wie man Mutter ist – eine gute Mutter oder eine Mutter, die vielleicht gerade perfekt ist, weil sie es nicht ist. Und ich hatte lange Zeit, um zu lernen, wie man Tochter ist – eine gute Tochter oder eine Tochter, die vielleicht gerade perfekt ist, weil sie es nicht ist. Das Zweite stimmt, oder? In beiden Fällen und zu hundert Prozent und das finde ich gut so.

Aber was ist das genau, was ich am Tochter sein und du zur gleichen Zeit mit Sicherheit auch am Muttersein so unperfekt perfekt finde? Ich bin sicher, uns fallen mindestens drei Punkte ein.

Punkt 1: Ich bin ein ziemlich cooles Lebewesen.

Ich weiß, ich mache manchmal Fehler und wie sagst du so schön: Nur aus den Fehlern lernst du. Und das stimmt. Und obwohl diese Fehler, die ich auch nach über 25 Jahren ständig mache, ärgerlich sind oder weh tun, wachse ich an ihnen und du mit mir. Manchmal sind deine Fehler auch meine Fehler und meine deine und das ist gut so.

Punkt 2: Wir lernen voneinander.

Ich muss zugeben, Mama, dank dir kann ich bald in den Apple Support gehen oder einen eigenen Technikladen aufmachen. Du weißt sicher, wie genervt ich manchmal vom x-ten Handy-Screenshot und der drölften “Hilfe-irgendwas-funktioniert-bei-meinem-Handy-nicht-Sprachnachricht” bin. Ich glaube, du weißt das ziemlich gut. Schließlich hast du mir beigebracht, wie man mit Besteck isst und ohne Windel lebt und ich glaube wir wissen beide, das war ein langer und schwerer Weg.

Punkt 3: Durch dich werde ich zur Krankenpflegerin.

Du kennst mich. Genau, ich bin deine Tochter. Nicht die toughe, sondern die, die beim Blut abnehmen umkippt oder bei Krankenhausszenen im Fernsehen immer kurz den Raum verlassen muss. Die, der schon bei Würgegeräuschen schlecht wird. Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich immer viel Quatsch gemacht. Darüber müssen wir hier nicht reden. Du hast immer gesagt, dir wird nicht schlecht, wenn ich Magen-Darm-Grippe habe oder das Blut macht dir nichts aus, weil du mich ja pflegen musst, weil du mich liebst und das nun mal so ist. Das habe ich täglich bewiesen. Ich bin über meinen Schatten gesprungen. Bei meiner Schwester, bei Freunden – weil ich euch liebe. Du hast so oft recht. Danke dafür.

Und wir können noch viel mehr aufzählen, richtig? Unzählige Punkte, denn wie gesagt: Wir kennen uns schon mein ganzes Leben lang und das ziemlich gut. Die sage ich dir aber ein anderes Mal. Vielleicht nächstes Jahr? Bis dahin übe ich mich weiter im Tochter sein. Und ich weiß, ich werde immer besser.


Briefe der anderen Mit ohne Maske-Mitglieder:

Brief von Kate

Geplante Briefe:

Brief von Vera am 10.05.2019
Brief von Franzi am 11.05.2019
Brief von Juliane am 12.05.2019

Die Blumen auf den Fotos sind übrigens von Juliane, die das Blumenabo von Bloomon getestet hat.

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