Warum ich nie mehr eine Fernbeziehung führen möchte

von Ramona
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Drei Jahre war ich mit meinem Freund zusammen, als unsere Wege sich trennten. Ich habe mich in eine andere Stadt verabschiedet. Wegen der Arbeit.

Die Kilometer sind egal. Sie sind da.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir schon zusammen gewohnt und einen Alltag gehabt. Also das, was man eben nach dieser relativ kurzen Zeit in einer Beziehung einen Alltag nennen kann. Das brach nun alles weg und uns trennten knapp 350 km. Ich weiß, das ist nicht die Welt. Man kann sie mit dem Auto und diversen anderen Verkehrsmitteln überwinden. Andere Paare führen eine Fernbeziehung über tausende von Kilometern. Brauchen tagelange Vorbereitung, ehe sie irgendwelche irren Transatlantikflüge antreten. Und das nur, um den Partner oder die Partnerin zu sehen. Ich weiß, da sind diese paar hundert Kilometer wirklich Kinkerlitzchen.

Fernbeziehung

Aber egal ob 100 oder 1.000 km: Fakt ist und bleibt doch, dass der Partner oder die Partnerin nicht direkt erreichbar ist. Man schwingt sich nicht mal eben aufs Fahrrad und ist in einer halben Stunde da. Oder läuft die paar Meter die Straße runter. Oder fährt mit der Bahn ein paar Stationen. Die Entfernung ist zu groß für “mal eben kurz vorbeikommen”. Für spontane Treffen im Park und gestohlene Küsse im Hausflur.

Jedes Treffen erfordert Planung und Absprache. Eine gepackte Tasche. Vorbereitung, damit man auch ja etwas zu trinken, ein Ladekabel fürs Handy und Wechselklamotten dabei hat.

Die Uhr, mein bester Freund.

Und wenn man sich dann sieht, hat man immer eine Uhr im Blick. Noch so viel Zeit, bis man zum Bus muss. Noch so viel Zeit, um sich ein letztes Mal im Arm zu halten. Oh, und wollte man sich nicht eigentlich auch noch mit Freunden treffen? Aber Mist, man sieht sich erst wieder in ein paar Wochen und hat doch jetzt nur diese paar gemeinsamen Stunden. Himmel, was für ein ätzender Balanceakt. Sich überhaupt mal zu sehen, ist ein Akt. Wenn man sich sieht, dann steht man ständig unter Strom.

Alles fehlt, sogar die Ärgernisse.

Aber wisst ihr, wie mies es sich anfühlt, aus dem Alltag und der gemeinsamen Wohnung mit dem Partner herausgerissen zu werden? Das ist kaum zu beschreiben. Man verliert gefühlt alles. Ich weiß ja auch, wofür ich es aufgegeben habe. Trotzdem fehlte mir die Nähe, die gewohnte Umgebung und eben auch mein Partner. Mir fehlten sogar seine herrenlosen Wäschestücke, die ihm unerklärlicherweise seit Jahren einfach irgendwo vom Körper fallen. Und dann darauf warten, von mir in den Wäschekorb befördert zu werden. Aber psssst, das habe ich offiziell nie gesagt … Dass in einer Fernbeziehung auch der Sex komplett anders und vor allem auch massiv weniger wird. Ja, das kommt auch noch hinzu.

Fernbeziehung

Alles ist anders.

Alles ist anders. Ja, man freut sich auch anders aufeinander. Aber es ist alles immer von dieser permanenten Eile und Hektik bestimmt. Über der gemeinsamen Zeit liegt immer ein kleiner Schatten. Ich habe aus der Zeit der 2-jährigen Fernbeziehung zu meinem Partner eine Menge über mich gelernt. Über uns. Die Zeit war in mancher Hinsicht bestimmt auch nötig, um sich auf andere Art und Weise schätzen zu lernen. Aber wiederholen möchte ich das trotzdem unter keinen Umständen. Ich bin sehr froh, dass ich ihn jetzt auf dem Sofa neben mir habe. Keine Kilometer dazwischen, die uns trennen.

Aber die Socken, die da vorne gammeln, die Socken werde ich ihm gleich mal in die Hand drücken. Die kann er selbst zum Wäschekorb bringen …


Führt ihr eine Fernbeziehung, wart mal in einer oder habt es vor? Wie sind eure Erfahrungen, geht es euch ähnlich oder habt ihr positivere Erfahrungen?

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