Weil ich ein Mädchen bin …

von Jenny
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Oftmals laufen mir diese Sprüche über den Weg: “Aber du bist doch ein Mädchen.” “Das macht man als Frau nicht!” “Das ist Männersache.” und so weiter. Unzählige Male schon habe ich diese oder ähnliche Sätze gehört und schon immer fand ich das mehr als problematisch.

Als Kind war ich nie das Mädchen, das meine Mutter wollte. Ich war nicht die Prinzessin, die sie sich gewünscht hat, denn sobald es mir möglich war, habe ich sehr deutlich gezeigt was ich von diesem Geschlechterquatsch halte. Mit Barbies oder Puppen konnte ich nie etwas anfangen, stattdessen habe ich mich über Legoburgen und Carrerabahnen gefreut. Ich habe es geliebt mit diesen kleinen Autos Wettrennen zu fahren. Das war so cool!
Kleider fand ich schrecklich und unbequem, man musste immer aufpassen, oder besser gesagt: Ich habe nie aufgepasst und wenn ich mal wieder breitbeinig draußen rumsaß, habe ich Ärger bekommen. Also wollte ich Hosen. Die waren so viel praktischer und ich musste mir keine Gedanken machen. Außerdem wollte ich schon damals nicht in die Kategorie “Mädchen” gesteckt werden, das habe ich meiner Mutter oft und klar deutlich gemacht.

Ich wollte immer lieber die Haare kurz tragen. Mich hat das Kämmen und Zöpfe machen genervt. Offen waren sie nur im Weg und sind mir ins Gesicht geflogen. Und überhaupt, es war so anstrengend! Meine Mutter versuchte mir immer zu erklären, dass Mädchen halt lange Haare haben. Ich habe dann geantwortet: “Mir egal, ob Mädchen das machen, ICH will das nicht.” Tatsächlich konnte ich damals mit meiner Mutter einen Deal aushandeln. Wenn ich zur Kommunion freiwillig ein Kleid anziehe, darf ich mir danach die Haare abschneiden lassen. Glücklich war ich nicht, aber als dann noch das Versprechen kam, dass ich von meinem Kommunionsgeld eine Nintendo 64 Konsole bekomme, habe ich widerwillig mitgemacht.
Glaubt mir, es gibt kein Foto meiner Kommunion auf dem ich lächele.

Ich hatte immer das Gefühl, in ein Muster gedrückt zu werden und wollte mit aller Macht dagegen ankämpfen. Dass das so war, ist mir erst heute bewusst. Aber mein Verhalten damals spricht Bände. Alles, was auch nur ansatzweise die Farbe Rosa/Pink hatte, wurde aus meiner Gegenwart verbannt. Mit 13 hab ich angefangen, Rock Bands wie Linkin Park oder My Chemical Romance zu hören und habe meine Schwester für ihre Liebe zu Boybands verachtet. Wenn etwas “für Mädchen” war, wollte ich es nicht. Bloß nicht.

Die wenigen Dinge, die dann auch ich als “Mädchen” gemacht habe, waren Wimperntusche zu nutzen, meine Nägel zu lackieren (bloß kein Rosa!) und mir irgendwann die Augenbrauen zu zupfen. Wobei ich das nicht als mädchenhaft abstempeln möchte. Erst mit Anfang 20 habe ich angefangen, auch mal Kleider oder Röcke zu tragen, wobei nur äußerst selten. Irgendwann habe ich Lippenstift genutzt und den Blümchenprint für mich entdeckt. Als Kind oder Teenie undenkbar! Und dann, zusammen mit meinem aufkeimenden Selbstbewusstsein, habe ich gemerkt, dass es mich nicht mehr oder weniger Mädchen macht, Sachen zu mögen oder auch nicht. Ich muss nicht anti Rosa sein, wenn es ein schönes Oberteil in der Farbe gibt. Aktuell laufe ich mit pinken Haaren rum und finde es genial. Glitzer kann auch verdammt gut aussehen und ich LIEBE Strumpfhosen und Röcke.

Das macht mich nicht zu einem “Girly”, sondern zu einem Menschen, der weiß, was ihm gefällt. Und ich kann das selber bestimmen, ohne darüber nachzudenken, ob mich das in eine Schublade steckt. Ich kann Musik hören, ohne auf das Genre zu achten. Entweder es gefällt mir oder eben nicht (wobei Boybands tatsächlich immer noch nicht mein Fall sind, aber who cares?) und ich kann Farben ganz nach meinem Geschmack aussuchen.
Ich habe gelernt, ich muss etwas Bestimmtes nicht mögen, weil es halt für Mädchen ist. Aber ich muss es dann auch nicht scheiße finden, sollte es für Mädchen sein.
Weil das entscheide nur ich.


Seid ihr auch in diesen Denkmustern aufgewachsen oder war es für euch immer selbstverständlich?

 

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Monika 21. Juni 2019 - 07:37

Ich hatte das Glück, von meinen Eltern nicht so sehr in eine Schublade gesteckt zu werden. Hab auch erst sehr spät wirklich längere Haare gehabt, meine Mutter dachte da eher praktisch. Und ein Kleid hab ich angezogen, wenn ich das wollte. Vor allem in der Teenie-Zeit habe ich dann gemerkt, dass viele der Etiketten “Mädchen” mir nicht gefallen, vor allem wenn es um die Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen geht. Heute mache ich Vollkontaktsport, verzichte meistens auf Schminke, ziehe an, was bequem ist und bin laut, wenn etwas gesagt werden muss. Trotzdem lese ich gern mal einen Liebesroman oder mache mich zu besonderen Anlässen hübsch.
An den meisten Tagen geht es einfach nur darum, mich selbst daran zu erinnern, dass es MEIN Leben ist und ich nur mich selbst glücklich machen muss. Dafür braucht es keine Konventionen.

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Jenny 21. Juni 2019 - 20:05

Hi Monika,

danke für deinen lieben Kommentar! Da hast du ja echt Glück, dass deine Eltern da so offen waren und du für dich selbst entscheiden konntest was du wolltest und was nicht. Ich stimme dir voll zu, dass es am wichtigsten sein sollte, dass man selber glücklich ist und das auf die Art und Weise wie man möchte. Jedes Mädchen, das rosa Glitzerpony toll findet soll auch gerne eins bekommen, aber das gleiche gilt auch für jeden Jungen und jedes andere Kind. Ich finde nämlich auch, dass man da ruhig abseits von Konventionen denken kann und solange die Person damit glücklich ist, wieso sollte ich mich dagegen stellen. Mehr habe ich mir nie von meiner Mama gewünscht, nur, dass sie einfach akzeptiert wer ich bin und was ich toll finde.

Liebste Grüße,
Jenny

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